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15.11.2017 Mittwoch Kälte kann töten

Immer wieder kommt es zu tragischen Unfällen, wenn Personen in kaltes Wasser stürzen. Selbst erfahrenen Schwimmern gelingt es oft nicht, sich selber aus dieser lebensgefährlichen Situation zu befreien. Warum das so ist, und was die besten Schutzmaßnahmen gegen ein Ertrinken in kaltem Wasser sind, hat der Vereinsarzt der Cuxhavener DLRG Dr. med. Jens Kohfahl bei einem Vortrag im Tagungssaal der EWE erklärt. Neben den Einsatzkräften der DLRG waren auch die Berufsfeuerwehr Cuxhaven, die Freiwillige Feuerwehr Duhnen und die DLRG Dorum bei dem Vortrag.

Entgegen verbreiteter Meinung beginnt die Gefahr bereits bei einer Wassertemperatur von 25 Grad Celsius. Also Wassertemperaturen, die in Cuxhaven über das gesamte Jahr herrschen. Denn bereits ab dieser Temperatur kühlt der ungeschützte Körper nach einiger Zeit zwangsläufig aus, mit allen Nebenwirkungen auf das Herz- Kreislaufsystem und die Motorik des Menschen.

Die Unterkühlung ist jedoch nur einer von mehreren Ursachen, die zum Ertrinken in kaltem Wasser führen. Direkt nach dem Eintauchen ins kalte Wasser (vornehmlich bei Wassertemperaturen unter 15 Grad Celsius) setzt ein sofortiger Einatemreflex ein, bei dem die verunfallte Person 2-3 Liter Volumen einatmet. Ist dieses Volumen mit Wasser durchsetzt, wie es zum Beispiel bei stürmiger See mit Gischt der Fall ist, wird es kritisch. 250 Milliliter Wasser in der Lunge können bereits zum Ertrinken ausreichen.

Nach dem ersten Einatemreflex bleibt die Atemfrequenz hoch. Wo ein Mensch im Ruhezustand etwa 6-8 Liter pro Minute atmet, kann dies auf bis zu 150 Liter pro Minute ansteigen, wenn sich der Mensch in kaltem Wasser befindet. Der erste Schritt nach einem Sturz ins kalte Wasser sollte es daher sein, zu versuchen seine Atmung zu kontrollieren und sich gegen das Einatmen von Wasser so gut wie möglich zu schützen.

Im Anschluss muss das Ziel sein, das Wasser so schnell wie möglich zu verlassen, oder zumindest notwendige muskuläre und koordinative Handlungen zu beenden, da je nach Wassertemperatur die Möglichkeit körperlich zu handeln um bis zu 60-80% nachlassen kann. Dann können selbst einfachste Aufgaben wie das Festhalten an einem Auftriebskörper unmöglich werden.

Der sicherste Schutz gegen ein Ertrinken in kaltem Wasser sind laut Kohfahl daher die Kombination aus Kälteschutzanzug und Rettungsweste. Mit diesen beiden Schutzmaßnahmen wird die Überlebenswahrscheinlichkeit und die Dauer einer möglichen Rettung deutlich vergrößert.

Eine gute Daumenregel für die Beeinflussung des ungeschützten Körpers in (unter 10 Grad Celsius) kaltem Wasser ist die 1-10-1 Methode. Man hat etwa 1 Minute Zeit, um seine Atmnung zu kontrollieren, 10 Minuten Zeit um seinen Körper noch effektiv einzusetzen, bevor muskuläre und koordinative Ausfallerscheinungen eintreten, und etwa 1 Stunde, bevor die Bewusstlosigkeit durch Unterkühlung eintritt. Trägt man zumindest eine Rettungsweste, kann die Dauer einer möglichen Rettung selbst nach Bewusstlosigkeit um weitere ein bis zwei Stunden verlängert werden.

 

 

 

 

Einen von Dr. med. Jens Kohfahl verfassten Artikel mit dem Titel „Überleben nach Sturz ins (kalte) Wasser“ aus der Schiff&Hafen April 2013 (Nr.4) finden Sie auf der Homepage von Dr. Kohfahl:

 

http://www.dr-kohfahl.de/praxis-wissenswertes/Ueberleben_nach_Sturz_ins_kalte_Wasser_Kaelte_fuer_Schiff_und_Hafen.pdf

Kategorie(n)
Ausbildung

Von: Christoph Plaisier

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